Wir möchten denen, die sich auch für eine solche Reise interessieren, gerne zeigen, wie wir unsere zwei Motorräder für den Wintereinsatz vorbereitet haben. Unsere beiden für diese Reise genutzten Motorräder sind schon etwas älterer Baujahre. Das kann ein Nachteil sein, aber auch ein Vorteil, denn beide haben keine empfindliche Elektronik, die unter Extrembedingungen spinnen könnte und weil wir die Motorräder schon so lange kennen, hoffen wir, eventuell unterwegs auftretende Probleme einfach aus dem Kopf und mit Erfahrung lösen zu können.

Fdsc01589ür Jan war schnell klar: er fährt mit seiner weißen Yamaha Super Ténéré. Die kennt den Winter in Südnorwegen schon und hat auch Erfahrung mit Spikes auf Eis und Schnee. Sie ist Baujahr 1992 und hat mit ca. 180.000 Kilometern schon so einiges von der Welt gesehen. Außerdem ist sie seit Jahren Jans Wintermotorrad und es kostet keine Überwindung, sie dem Salz auf den Straßen auszusetzen. Einen Namen hat sie leider nicht.

1424297_10153491835198404_6512973132453024264_nSilke war früher mit ihrer Suzuki DR800 viel im Winter unterwegs, hatte aber nach deren Verkauf kein Wintermotorrad mehr. Trotz reichlich Motorrädern in der Garage war keines richtig wintertauglich: die Yamaha WR250F ist mit Kickstarter und E-Starter zwar bestens ausgerüstet, jedoch mit dem auf Wettbewerbe ausgelegten und auf Leistung optimierten „Zwergenmotor“ und der eher als „Popoabstellfläche“ geplanten „Sitz“bank nicht gerade reisetauglich. Silkes Oldtimer, eine Yamaha XT600Z „Ur-„ Ténéré von 1984 und ihre BMW G650 X-Challenge sind einfach viel zu schade für Eis und Schnee. Ein weiteres Motorrad musste also her. Silke entschied sich für eine Suzuki DR350S von 1993, die ihr mit nur 16.000km von einer Freundin für die Hochzeitsreise verkauft wurde. Ein Kickstarter musste es für Silke sein, denn sie vertraut E-Startern bei Minusgraden nicht. Weil die Suzuki zum Zeitpunkt des Kaufs Silkes fünftes Motorrad war, wurde sie vom britischen Motorradreisenden und Autor Graham Field auf den Namen „Pet“ getauft, weil „Pet“ auf Bulgarisch (und Russisch) „Fünf“ bedeutet. Vor gut 15 Jahren hatte Silke schon mal ein solches Motorrad, jedoch damals zum reinen Offroadeinsatz. Dass man aber auch mit nur 350 Kubik und 27PS prima reisen kann, hat Pet bei einer Reise durch den Balkan im Mai 2016 schon bewiesen.

 p1070853-kopieVorbereitung Motorräder

Die Vorbereitungen möchten wir Euch gerne im Detail für jedes Motorrad in einem eigenen „Kapitel“ vorstellen: Silkes DR350 und Jans Super Ténéré. Beide Motorräder haben grundverschiedene Voraussetzungen, sodass jeder von uns noch einiges zu tun hatte, um die zwei für die Reise perfekt vorzubereiten.

74001Das Motoröl kommt von Putoline, die uns nicht nur mit Öl großzügig unterstützen. Uns wurde das Nano Tech 5W40 Öl empfohlen, ein vollsynthetisches Öl, das bis -32°C pumpfähig bleibt. Wird es nachts doch kälter, müssen wir mit dem benzinbefeuerten Campingkocher die Motoren von außen vorwärmen, um das Öl überhaupt pumpen zu können. Ein dünneres Öl (0W…) könnte bei den alten Motoren kritisch sein und eher zu mehr Ölverbrauch als zu besserer Schmierung bei Tiefsttemperaturen führen. Die ersten 1000 Testkilometer zeigten: unsere „urzeitlichen“ Motorräder lieben das hochmoderne Öl! Kein erhöhter Ölverbrauch feststellbar, sanftes Schalten und Kuppeln – besser könnte es nicht sein!

70367Unsere Antriebsketten werden ebenfalls mit einem Putoline Produkt gepflegt. Wir bekamen das Tech Chain Premium Kettenschmiermittel ans Herz gelegt – und einige Sprühdosen davon geliefert. Jans Super Tenere ist mit einem automatischen Kettenschmiersystem, dem Scott Oiler ausgestattet. Wir sind uns aber nicht sicher, bis zu welchen Minustemperaturen dieser funktioniert, sodass wir genug Kettenspray für uns beide mitnehmen werden.

74063Um insbesondere in feuchten, nasskalten Küstenregionen ein optimales Startverhalten zu erreichen, nehmen wir außerdem noch zwei Kraftstoffadditive, die dafür sorgen, dass sich eventuell bildendes Kondenswasser gebunden wird und auch verhindern, dass das Kraftstoffsystem einfriert. Dazu gab’s den Tipp, im Winter niemals Benzin zu tanken, dem Bio-Ethanol beigesetzt wurde, denn dieser bindet Wasser und das ist im Winter äußert kontraproduktiv…

70551Pet war bisher noch nicht im Wintereinsatz und so tat es Silke bei der ersten Fahrt im Streusalz-Siff sehr leid, sie nun dem Rost auszusetzen. Wir haben jedoch beide Motorräder sorgfältig mit dem PPF-52 Spray von Putoline eingesprüht, um so wenig Salz wie möglich an Metallteile kommen zu lassen. Der Spray bildet nach dem Auftrocknen eine Schutzschicht, die auch noch so sehr glänzt, dass unsere beiden Motorräder nun fast aussehen wie neu! Und das soll dank des Sprays natürlich auch so bleiben!

Die Erfahrungen zahlreicher Winterfahrten haben gezeigt: Streusalz und Feuchtigkeit sind der größte Feind, insbesondere der Elektrik. Bis wir so weit nördlich sind, dass die Luft trocken und die Straßen salzfrei sind, haben wir einige Kilometer unter suboptimalen Bedingungen vor uns. Um Kriechströmen und sonstigen „kleinen Elektrikfreu(n)den“ vorzubeugen, haben wir (fast) alle Steckerverbindungen mit Wet Protect eingesprüht. Ein Spray, das Elektronik vor Nässe schützen soll und zumindest bei unseren Rallyemotorrädern bisher gut gewirkt hat.

14695327_10154034827158404_2524464424615758200_nUm noch mehr dem bösen Rost vorzubeugen, wurden die Motorräder „nackig“ gemacht und mit 1001 Penetrating Spray von Putoline eingesprüht, das in alle Ritzen kriecht und dort hilft, vor Rost zu schützen. Die schöne Ledersitzbank wurde sorgfältig mit dem Lederfett von Putoline eingerieben und auch das Schaffell bekam auf der Lederseite eine „Kurpackung“, denn das Lederfett macht das Leder nicht nur schön weich und nährt es, sondern bildet eine wasserabweisende Schicht darauf. Mal sehen, ob wir in Regen kommen!

Weil die Motorräder schon älter sind und wir keine Lust auf festgefrorene Bowdenzüge haben, wurden Gas- und Kupplungszüge beider Motorräder ausgehängt und mit Waffenöl durchspült, um einem Festfrieren vorzubeugen.  Waffenöl verharzt nicht und greift auch nicht die Teflonbeschichtung der Züge an, weswegen es das einzig richtige Öl für diesen Zweck ist.

img_0095-kopieBei einem der ersten Tests im Dunkeln stellten wir überrascht fest: ohne Licht sieht man weder die Kabel noch die Stecker all unserer elektrischen „Helferlein“ wie Heizvisier, Heizhandschuhe und Heizweste! Da wir nicht davon ausgehen können, die Motorräder immer genau unter einer Laterne zu parken, musste da Abhilfe geschaffen werden: eine ultrakleine, hochflexible LED Lichtleiste am Lenker sorgt nun dafür, dass wir auch alle Kabel und Stecker finden, die uns warm machen sollen!

p1070895-kopieSilke schwört auf Kickstarter, Jan vertraut dem E-Starter seiner Super Ténéré. Für den Fall, dass Silkes Pet nicht anspringen will, ist sie sehr leicht anzuschieben, Jans Reisedickschiff dagegen ist auf Eis und Schnee nicht so agil und so haben wir an beiden Motorrädern Anschlussbuchsen für das „Bike Start“ Überbrückungskabel, über das die kleine Pet der dicken Ténéré Zusatzstrom spenden kann, falls die Batterie aufgrund tiefster Kälte nicht mehr ganz so will, wie sie soll.

fellFür einen warmen Popo und (wirklich!) unendlichen Reisekomfort auf langen Strecken bekommen beide Motorräder ein Schaffell auf die Sitzbank gelegt und mit einfachen Gummilitzen befestigt. Das von Silke ist Teil jenes Felles, das zu ihren Schulzeiten unter ihrem Schreibtisch lag, damit sie bei den Hausaufgaben warme Füße hatte! Und: nein, das Fell saugt sich bei Regen nicht voll! Durch das im Fell enthaltene Wollfett Lanolin ist es natürlich imprägniert. Natürlich nur dann, wenn es nicht mit Chemie entfettet oder falsch gewaschen wurde… Und nachts kommt das Kuschelfell einfach mit ins Zelt und funktioniert dort prima als Unterbett!

p1070710Unsere Reifen sind die Mitas Army Special, deren Stollen lang und breit genug sind, um mit Spikes bestückt zu werden. Da wir voraussichtlich die meisten Kilometer auf fest gefahrenem Schnee und vereister Fahrbahn zurück legen werden, sind kurze Spikes (1200er Best Grip) die beste Wahl. Obwohl uns die schönen langen Motocross-Spikes ja sehr reizen… Silke hat in die Reifen ihrer Pet 558 Spikes eingedreht.p1070707

 

 

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