Nach genau 3517 km möchten wir hier ein Fazit der Reise und unserer Ausrüstung ziehen und damit allen, die ähnliches planen, weiter helfen, denn wir haben einen Fahrtag bei konstant -25°C und einen bei -35°C problemlos erlebt und sind überzeugt von unseren Vorbereitungen an „Mensch und Maschine“, weil alles auch unter Extrembedingungen bestens funktioniert hat. Bitte schaut unter „Ausrüstung“ und „Klamotten“ nach, was genau wir alles dabei hatten und wie wir unsere Motorräder vorbereitet haben. Ein paar Punkte möchten wir Euch im Nachhinein mit unseren Erfahrungen „würzen“:

Moppeds:

img_0667-kopieDie kleine Pet ist „einfach so“ ans Nordkap geschnurrt, jedoch bin ich Jan für’s Kicken dankbar, denn ich bringe mit meinen 57kg nicht genug „Kawumms“ auf den Kicker, um das zähere Öl unter -9°C zu bewegen. Mit Jans kräftigem Tritt (Jan spricht von „persönlicher Beziehung zu Pet“) sprang Pet aber immer an – auch bei -24°C Öltemperatur ohne Starthilfespray! Danke an die Vorbesitzerin für dieses ehrliche und zuverlässige Motorrad!

img_0607-kopieJans Super Ténéré hat sich am entscheidenden Morgen vor dem Anspringbeweis bei -24°C erfolgreich gedrückt – sie stand wegen Ölleck und Platten in einer mollig warmen Reifenwerkstatt.  Auch sie sprang aber jeden Morgen willig an, sodass wir keine unserer “Starthelferlein“ benutzen mussten.

Allen neumodischen Einspritzern und Elektronik-Mopeten in der Garage zum Trotz: Wir würden beide sofort mit beiden „Alteisen“ wieder ins Eis fahren – wenn wir nur wüssten, wohin! 🙂

Der ruckelige Lauf bei -35°C und kälter trat bei beiden Motorrädern trotz Additiv auf. Wir vermuten bei Pet, dass der Sprit durch die exponiert im Fahrtwind liegenden Tankhälften und ungeschützt geführten Spritleitungen schon stark „unterkühlt“ im Spritfilter ankam und dort kleinste Kristalle hängen blieben und somit den Durchfluss verringerten. Das ist aber nur eine Theorie, vielleicht habt Ihr Ideen?

74001Absolut beruhigend war es, sich auch bei den allertiefsten Temperaturen (bis -37°C) auf ein Öl zu verlassen, das auch unter solch extremen Bedingungen für optimale Schmierung sorgt. Bei -37°C mussten wir beide Motorräder mit hoher Drehzahl „fröhlich“ am Laufen halten und sind mit einer Öltemperatur von nur 40°C mit Vollgas über das Eis geprescht. Auch, wenn wir immer „no name“ Öle gefahren sind und vollsynthetischem Öl skeptisch gegenüber standen: zu wissen, dass solche Extrembedingungen durch das gute Putoline Nanotech 5W40 Öl abgesichert wurden, gab einfach ein „warmes“ Gefühl! Nie wieder werden wir „Billigpampe“ wählen! Danke an Putoline für diese Erkenntnis, das vermittelte Know-How und die großzügige Unterstützung!

70551Was auch sehr gut gewirkt hat war der Putoline PPF-52 Spray, mit dem wir die Motorräder wirklich großzügig eingesprüht hatten, um sie vor Rost durch Salz zu schützen. Salz gab es zwar nur in Norwegen (und das so viel, wie nie!), aber aufgrund der super Wirksamkeit des Sprays haben unsere zwei Süßen nur dort Rost angesetzt, wo durch den täglichen Gebrauch die Schutzschicht „abgearbeitet“ wurde: an den Fußrasten, am Seitenständer und an den Stellen der Gepäckbefestigung, wo Gurte entlang liefen. Einziger Nachteil: an der Schutzschicht bleibt etwas der Dreck hängen… Eine klare Empfehlung!

p1070909-kopieDa wir im Norden nur etwa zwei Stunden pro Tag Dämmerlicht hatten, waren die CREE Zusatzscheinwerfer Gold wert – allerdings mussten wir diese nicht mit Gold bezahlen, das Stück hat aus China runde 15€ gekostet und im Doppelpack das normale Aufblendlicht um ein Vielfaches überstrahlt! Kein Grund also für völlig überteuerte Zusatzscheinwerfer!

Neckisch und nützlich war die extra LED Zusatzbeleuchtung im Cockpit, um auch im Dunkeln alle Stecker und Schalter zu finden. Ab dem Polarkreis war selbst „hell“ nicht immer „hell genug“, um die richtigen Stecker zu treffen.

p1070849Um jederzeit einen Überblick über die Ladespannung zu haben, waren wir froh über die zusätzliche Anzeige. Eigentlich unnötig, weil wir richtig gerechnet und richtig umgebaut hatten, aber das Gewissen beruhigte sich doch immer wieder beim Blick auf die Anzeige! Alle Zweifler können verstummen: die Ladespannung der kleinen Pet sank weder bei niedrigsten Temperaturen noch beim Einschalten aller Verbraucher (inklusive Heizwäsche) unter 13,2 Volt! Der konsequente Umbau auf LED Beleuchtung (siehe: Suzuki DR350) hat sich also voll und ganz gelohnt!

Jeder von uns hatte zwei USB Ladebuchsen im Cockpit. Ursprünglich wollten wir damit unsere Sena Intercoms während der Fahrt laden, jedoch hielten deren Akkus drei Mal länger als angegeben und als sie dann doch irgendwann leer wurden, weil weder -25°C noch -37°C zur normalen Betriebstemperatur gehören, war es uns einfach zu kalt, um mit Kabeln und Steckern herum zu hantieren. Auch wenn wir sie nicht benutzt haben: in Zukunft gibt es bestimmt eine Verwendungsmöglichkeit dafür! Und sei es nur, um darüber das Handy zu laden.

p1080292-kopieDas Multifunktionsinstrument von Koso sollte ja Uhrzeit, Luft- und Öltemperatur anzeigen. Das tat es zunächst keine 300km lang, dann war der Öltemperatursensor defekt. Ein Blick in die Kundenbewertungen bei Louis ergab: leider (fast) immer so. Allerdings schaffte es der Louis Kundenservice auf nachhaltiges Drängeln meinerseits, tatsächlich einen  dauerhaft funktionsfähigen Sensor in der Zentrale in Hamburg zu hinterlegen, den Jan dort noch während der Anreise abgeholt und im Hafen Travemünde eingebaut hat. Der Sensor funktioniert immer noch! Bei Louis ist das Instrument gerade um 10€ reduziert – wohl, weil bekannt ist, dass in der Charge der Sensor nicht tut?

img_0815-kopieAuch, wenn sie mega hässlich ist und der kleinen Pet den „Big Bike Look“ verleiht: die Windshield hält so einiges ab! Als wir den ganzen Tag durch -25°C kalten Nebel fuhren, war alles komplett vereist – außer meinem Oberkörper, der gut geschützt hinter der Windshield war. Einen besseren „Wirksamkeitsbeweis“ gibt es nicht!

Auch die Stulpen haben sich bewährt. Jan nutze die (Second Hand gekauften) Stulpen von Wunderlich, die allerdings nur unter Null Grad 14601111_10154061103663404_3878812467568472960_nsteif genug waren, um bequem hinein schlüpfen zu können. Bei norwegischem Regenwetter und Temperaturen über Null Grad klappten sie immer zu, sodass Jan Mühe hatte, wieder den Lenker zu greifen. Unsere Probefahrt daheim fand natürlich bei Frost und nicht bei Regen statt, ein einfacher Drahtbügel hätte geholfen! Silkes „Eigenbau-Stulpen“ hielten perfekt und boten all die Eigenschaften, die teure Markenvarianten auch für viel Geld verkaufen…

p1080432-kopieDie Reifen haben gehalten – und die Spikes (Best Grip 1200) auch! Wir haben weder Stollen noch Spikes verloren und man sieht beidem kaum die gefahrenen Kilometer an! Die Stollen sind noch recht „kantig“, was zeigt, dass wir sehr wenig (maximal 500km) Asphalt gefahren sind. Auch die Spikes sind nur am Hinterrad ganz minimal abgenutzt. Wir werden den kompletten Radsatz auch weiterhin verwenden! Kurioserweise sind bei Silkes Vorderreifen und Jans Hinterreifen einige Stollen an der „Basis“ gerissen. Da es sich noch nicht einmal um denselben Reifen handelt, sind wir etwas ratlos, wie es dazu kam. Wir vermuten, dass bei einem vollen Fahrtag um konstant -25°C und einem weiteren Fahrtag um -36°C das Gummi so hart wurde, dass die „Normalbelastung“ bereits zu Rissen führte. Bloß warum bei Silkes Leichtgewicht „Pet“ nur vorne und bei Jan nur hinten?

Equipment

10c_section4Sehr skeptisch war vor allem Jan, ob ein Intercom nicht eher nervig als nützlich wäre. Nach 3 Wochen sind wir uns aber sehr einig: die Sena Intercoms haben aus dieser Motorradreise erst eine wahre Hochzeitsreise gemacht! Dadurch, dass wir miteinander reden konnten, entstand eine Nähe und Zweisamkeit, die wir beide noch nie auf zwei Motorrädern erlebt haben! Wir hatten uns für das Sena 10S und 10C (siehe Bild) entschieden, weil diese über eine große Reichweite (bis zu 1,6km) verfügen. Das war im Falle der ersten Reifenpanne und bei Fotosessions extrem hilfreich. Da wir beide über dasselbe Fahrkönnen verfügen, hatten wir zunächst mit geringerer Reichweite geliebäugelt, haben nun aber den Nutzen einer großen Reichweite erkannt und diese ausgiebig genutzt!

sena-logo Jan hatte bisher immer mit einer „handelsüblichen“ Videokamera seine Reisen gefilmt, nun kam mit der Sena 10C und der Sena Prism Actioncam toller Zuwachs zur Kamerafamilie! Die Prism haben wir mit meinem Intercom 10S gekoppelt, sodass ich sie während der Fahrt bedienen konnte – obwohl sie bei Jan am Motorrad befestigt war! Besonders interessant wurden Aufnahmen, bei denen Jan den Blick nach vorne mit seiner Sena 10C filmte und ich die Ansicht nach hinten zeitgleich mit der Prism aufnahm. Dazu noch die Möglichkeit, unsere Gespräche mit aufzunehmen war ein Sahnehäubchen, dessen Nutzen wir auch erst nach ein paar Tagen erkannten: so entstanden wirklich authentische Aufnahmen! Zum Beispiel hier bei den letzten Kilometern zum Nordkap: https://www.youtube.com/watch?v=m_gXV0mhfFY

Die Akkus hielten übrigens weitaus mehr, als versprochen! Bis zu einer Temperatur um die -20°C konnten wir uns den ganzen Tag über mithilfe der Intercoms unterhalten, bei -25°C ging das immerhin auch noch 2 Stunden lang. Nur bei -35°C war nach 30 Minuten „Sendepause“. Eine beachtliche und unerwartete Leistung! Wir bedanken uns bei Sena, die uns das Equipment zur Verfügung gestellt haben, um uns restlos davon zu überzeugen: ohne die „Senas“ wäre es keine richtige Hochzeitsreise gewesen, sondern eine Reise zweier Menschen, die mit zwei Motorrädern über drei Wochen hintereinander durch die Kälte fahren!

thrzwfioe3Unbezahlbar waren auch unsere „elektrischen Helferlein“. Sicherlich gibt es Methoden, sich auch ohne „Elektrikgedöns“ vor Erfrierungen zu schützen, aber nichts ist komfortabler als elektrisch beheizte Handschuhe und Schuhsohlen!

Wir haben uns aufgrund jahrelanger allerbester th3m2oxg3fErfahrungen für Equipment von www.heizteufel.de entschieden. Die Heizteufel-Heizsohlen von Jan (und auch meine akkubetriebenen) sind ganz sicher der Grund dafür, dass unsere Zehen bei Temperaturen von bis zu -37°C nicht im Laufe des Tages abgefroren sind! Meine Heizteufel-Heizhandschuhe liefen in Kombination mit den „Selbstbau-Stulpen“ zu Höchstform auf, sodass ich während der ganzen Reise ihren Regler nicht ein einziges Mal auf „Maximum“ stellen musste.

Absoluter Vorteil gegenüber anderen thd3mpdw3hHeizhandschuhen: die Heizdrähte (und keine Platten – die brechen nämlich schnell an den Lötstellen ab…) gehen um die Fingerspitzen herum und wärmen überall – nicht nur auf der Oberseite! Einfach klasse! Auch mit meinen „zarten Pfötchen“ passen die Handschuhe sehr gut und obwohl sie warm, wasserdicht und elektrisch beheizt sind, bleibt das Griffgefühl super – ich habe alle „unsichtbaren“ Schalter in der Stulpe immer einfach ertasten und bedienen können! Vielen Dank an den lieben Heizteufel aus Berlin, der unser Vorhaben für völlig normal und unterstützenswert hielt und für warme Pfoten und Füße gesorgt hat!

p1080350-kopieEin extra Komfortgewinn waren unsere Heizwesten. Jan hatte sich ja für die Akkuvariante entschieden. Super ist bei der Akkuvariante, dass es Jan bei (diversen) Schraubersessions (eine bei -18°C) schön warm hatte. Meine Heizweste läuft über Bordnetz, was bedeutet: ich kann mich nur dann über mollige Zusatzwärme freuen, wenn der Motor der kleinen Pet läuft. Und da der das immer zuverlässig tat und ich daher nie schrauben musste, bin auch ich mit der „Bordnetzvariante“ super zufrieden – insbesondere deshalb, weil die Widder Heizweste ihre Heizdrähte auch im Kragen hat! Bei Tagestemperaturen bis -10°C haben wir die Heizwesten nur kurz abends genutzt, als unsere körpereigenen Heizkraftwerke an Leistung nachließen. An langen Fahrtagen bei -25 bis -37°C liefen die Westen den ganzen Tag (bis zu 7 Fahrstunden) und haben nie Akkuladung oder Lichtmaschine überfordert!

img_0691-kopieEnttäuscht wurden wir von unseren Nolan Heizvisieren. Jans stieg schon am ersten Tag aus. Das Kontrolllämpchen gaukelte Heizleistung vor, jedoch kam keine am Visier an. Mein Heizvisier hat bis -20°C einwandfrei funktioniert, danach wurde es nutzlos, aber immerhin! Dem „deutschen Durchschnittswinterfahrer“ hilft das schon weiter! Das Visier kostet rund 100€, doch dafür bekommt man billigste Materialien: bei Zimmertemperatur sind die Kabel des Heizvisiers flexibel, kaum tritt man vor die Tür, stehen diese nur starr ab und man hat eine steife „Antenne“ am Kopf. Und das auch schon bei „deutschen Wintertemperaturen“! Zum Vergleich: alle Kabel vom www.heizteufel.de Equipment sind hochwertig silikonisiert und auch bei -37°C noch flexibel und geschmeidig.

p1080429s-kopieDer Klapphelm Nolan N104 war eigentlich praktisch – so er nicht zugefroren ist! Zwei Mal war ich in ihm gefangen, weil in den Mechanismus entweder Eisregen oder Schmelzwasser lief und dort gefror. Beim ersten Mal mußte ich meinen Helm auf dem Kopf auftauen lassen. Beim zweiten Mal hat mich Jan mit etwas Gewalt aus dem Helm befreit. Nicht optimal gelöst von Nolan! Bei Konkurrenzprodukten sitzt der Mechanismus geschützt an der Seite des Helmes…

p1080281-kopieWeil Jans Heizvisier ja nie wirklich funktioniert hat, musste er mit völlig vereistem Visier kämpfen. Da konnte ihm die Scott Neopren Sturmhaube aus dem Snowmobile-Bedarf extrem weiter helfen, um sein Gesicht bei Extremtemperaturen vor Erfrierungen durch Fahrtwind zu schützen. Wir möchten uns nicht vorstellen, wie die Geschichte mit einer „normalen“ Sturmhaube ausgegangen wäre! Übrigens: schon mal festgefrorene Wimpern gehabt? Dieses Phänomen durften wir beide kennen lernen: durch die Kälte tränen die Augen etwas und beim Blinzeln verkleben dann die feuchten Wimpern miteinander, sodass man Mühe hat, mit der Kraft seiner Augenlider diese wieder zu trennen und die Augen zu öffnen – und das während der Fahrt!

img_0945-kopieNachdem wir den ersten nächtlichen Schneefall schön verschlafen haben und am nächsten Tag die Moppeds regelrecht ausbuddeln mussten, haben wir besser auf die Wettervorhersagen geachtet und bei angekündigtem Schneefall die Motorräder abgedeckt. Dazu haben wir einfache Regenponchos aus Plastik genutzt und mit Wäscheklammern befestigt. Diese wurden in der Kälte jedoch so unflexibel, dass sie wie Papier rissen. Für zukünftige Eisreisen werden wir daher Ripstop-Nylon in dünnster Meterware passend zuschneiden und als Abdeckplanen verwenden.

14595736_10153992265418404_8738739316173684176_nDie Schlafsäcke kamen zum Einsatz – wenn auch nur zum Mittagsschlaf im Eishotel bei -8°C und in Hütten, in denen das erlaubt war. Grundsätzlich sollte die Ausrüstung aber gut genug sein, um auch wirklich draußen campen zu können – bei jeder Temperatur! Und das hieße bei uns: -37°C! Die Hochgebirgs-Daunenschlafsäcke (die wir schon hatten, also nicht extra angeschafft wurden) machen also Sinn!

p1080055-kopieWeil uns schon jemand danach gefragt hat: die Ortlieb Packtaschen haben allesamt auch bei tiefsten Temperaturen absolute Stärke gezeigt! Die Schnallen sind nicht gebrochen, was auf ihre Materialqualität schließen lässt. Zwar wird das Planenmaterial der Taschen unter -20°C recht steif, doch behält es seine volle Flexibilität und damit den vollen Nutzen. Da manche Konkurrenzprodukte schon bei Zimmertemperatur steifer sind als Ortliebtaschen unter -20°C ist auch das eine mehr als eindeutige Empfehlung! Leider gibt es die Motorradtaschen ohne teuren Werbeaufdruck neuerdings ja nur noch gebraucht…

kw4116_mo_05_daDer Türschlossenteiser kam unterwegs drei Mal zum Einsatz: zwei Mal, um damit tatsächlich zugefrorene Zündschlösser zu enteisen, ein Mal, um damit zu versuchen, den fest gefrorenen Tankdeckel zu lösen. Bei den Zündschlössern half er, beim Tankdeckel nicht, denn bei -25°C ist der Enteiser gelförmig und nicht mehr flüssig. Also immer in einer Innentasche am Körper tragen, sonst enteist das Zeug nämlich gar nichts!

Klamotten

p1070884-kopieSehr viel gebracht haben die Uvex Neopren Überstiefel, die durch ihr 3mm Neopren unsere Crossstiefel von außen gut isoliert haben und winddicht machten. Allerdings waren diese nicht wie angegeben wasserdicht, sodass sie nur als „Kälteschutz“ dienen und ansonsten nutzlos für den Einsatz in Mitteleuropa sind. Bei Jans Überstiefeln löste sich zudem nach zwei Tagen die nur geklebte Sohle ab, sodass die Schuhe nur mit den Schuhspikes zusammen gehalten wurden, aber weiter schön isolierten. Zur Erinnerung: die ersten zwei Tage waren es zwischen +7 und -4°C, also nicht „arktisch kalt“ und kein Grund für die Sohle, sich vom Neopren zu trennen! Die Stiefel sind nun reklamiert und eingeschickt und wir gespannt, was Uvex macht!

Ganz wichtig waren die Schuhspikes, denn diese verhalfen uns zu sicherem Anhalten und Laufen auf Schnee und Eis. Meist war es wesentlich einfacher, Motorrad zu fahren als auf p1070887-kopiegleicher Oberfläche zu laufen! Jan hatte ja seine „Premium Spikes“ (15€) daheim vergessen und noch schnell bei Tchibo Ersatz besorgt. Der war gleich am ersten Tag wieder verloren, denn die Metallspirale, die für zusätzlichen Grip sorgen sollte, führte eine zu innige Beziehung zu den Zacken der Fußrasten. Das finnische Modell, was darauf folgte, verzichtete auf die Metallspirale, hatte aber einzelne in Hartplastik gegossene Spikes, die sich beim Laufen recht schnell verabschiedeten und einfach aus dem durch die Kälte hart gewordenen Gummi heraus lösten. Meine Spikes hielten vom ersten bis zum letzten Tag und sehen auch heute noch aus wie neu: die Spikes befinden sich in zwei großflächigen Metallplatten unter Ballen und Ferse, die dick in Gummi eingelassen sind.

Übrigens hat der „Praxistest“ ergeben: Yakwollsocken machen wärmere Füße als Schurwollsocken mit Wollfrotteesohle! Die Schurwollsocken taugten als „Hüttensocken“, die Yakwollsocken jedoch sorgen nicht nur bei Extremtemperaturen in der Mongolei für warme Füße!

img_1040-kopieAuch unsere 9,95€ Skihosen von ALDI haben gute Dienste geleistet! Über Tag trugen wir sie unter den Teletubby Anzügen als herrlich wärmende Extraschicht, vor und nach der Fahrt als bequeme und „ansehnliche“ Hose für sämtliche „moppedfreien“ Outdooraktivitäten – und sei es nur der Einkauf im Supermarkt „um die Ecke“ bei -22°C.

Meine „Schafwollknieschoner“ aus dem Rentnerbedarf waren auch super. Mein Teletubby ist zwar an den Knien durch Teddyfellfutter extra kuschelig isoliert, aber die Schafwollteile indexhatten zusätzlich zur hohen Wärmeisolierung einen weiteren Effekt: die Knieprotektoren werden bei Kälte nämlich äußerst hart und unangenehm. Wie gut die „Wollknie“ das abpolstern, konnte ich merken, als ich bei den „paar Kilometern zum Nordkapp“ darauf verzichtet habe! Auch, wenn ich mich beim Anziehen jeden Morgen um 40 Jahre gealtert gefühlt habe: die Teile haben wirklich doppelten Nutzen!

img_1197-kopieUnsere beiden „Teletubbies“ haben wir ja schon im Blogpost „Bitterkalt“ in höchste Höhen gelobt und wir wiederholen dies an dieser Stelle nochmals: wir können uns nichts anderes als einen Einteiler vorstellen, um lange Tagesetappen bis an die -40°C Grenze komfortabel zu überstehen! Der weite Schnitt erlaubt es zudem, bei extremer Kälte noch „Zusatzschichten“ wie Daunenjacke und Skihose.

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LEIDER hat die Qualität des „Thermo Boy“ Teletubbys von Jan gezeigt, dass Polo einfach nichts mit Qualität zu tun hat: die Nahtzugaben sind zu knapp (oder zu schlampig genäht), sodass im Steppfutter Nähte aufgegangen sind. Ärgerlich, weil nicht die erste Bekleidung von Polo, die nach einem Urlaub schon kaputt ist! Leider ein Beweis der heutigen „Billigmentalität“…

prasentation1Eine Kleinigkeit gegen die Tatsache, dass beide „Safe Max“ Ellenbogenprotektoren (Level 2!) in der Kälte einfach gebrochen sind! Schutzwirkung: NULL! Die Schulterprotektoren (Level 1) haben sich in ihre Einzelteile aufgelöst, weil statt Nadel und Faden Kleber verwendet wurde, der nicht flexibel genug ist. Schutzwirkung daher auch: NULL!

sas-techIn Silkes Teletubby von Hein Gericke sind auch nach ca. 15 Jahren noch keine Nähte auf und die für diese Reise nachgerüsteten Sas-Tech Protektoren (Klasse 2) wurden in der Kälte zwar auch hart, blieben aber flexibel genug, um nicht zu brechen oder sich in Einzelteile zu zerlegen. Solche absolut sicherheitsrelevanten Teile sollte man also besser nicht bei Polo kaufen! 

qJan hatte sich von Orina die Unterziehhandschuhe „Delano“ gekauft. Die Idee: Bei milden Temperaturen genügen die dünnen Handschuhe in den Stulpen mit den Heizgriffen zusammen, bei extremer Kälte erhöhen sie die Wärmeleistung der Winterhandschuhe – und bei filigraneren Dingen (Gepäcktasche aufsatteln) und Stadtbummel wärmen sie die Pfoten im Alltag. So weit, so gut. Leider waren die Handschuhe bereits am dritten Tag löchrig, nach einer Woche lösten sich Nähte auf. Orina hat die Handschuhe innerhalb von drei Tagen ausgetauscht, was zwar ein toller Service ist, jedoch niemandem auf dem Weg zum Nordkap warme Finger macht!

Das hat gefehlt

Was wir nicht dabei hatten und unterwegs gekauft haben war: eine Tube Handcreme. Im hohen Norden waren aufgrund der extremen Kälte unsere Hände so rau und aufgeplatzt, dass wir in den Fasern unserer Funktionswäsche damit hängen blieben! Unglaublich! Eigentlich solle man ja bei solchem Temperaturen nicht mit nackten Pfoten hantieren, aber die kleinen Knöpfe der Kamera zum Beispiel lassen sich mit dicken Handschuhen einfach nicht bedienen! Gut, dass wir immerhin unsere Gesichtshaut mit der Cold Cream geschützt hatten! Diese war zwar bei der Kälte extrem „pastös“ beim Auftragen, hat aber dafür gesorgt, dass uns nur die Hände in Fetzen hingen und nicht das gesamte Gesicht. Nichtsdestotrotz mutierten wie zu „Lederhäuten“ im Gesicht…

p1080288-kopieWir haben nicht damit gerechnet, dass es in großer Kälte so feucht sein kann und uns bei -25°C alles mit Nebel zueist. Daher haben wir uns irgendwann unterwegs einen Eiskratzer gekauft, um Scheinwerfer und Spiegel regelmäßig frei zu kratzen. Leider sind Auto-Eiskratzer zu groß für die Anwendung am Motorrad, weswegen wir für eine eventuelle nächste Eisreise im Vorfeld einen Mini-Eiskratzer suchen werden.

Das haben wir NICHT gebraucht:

p1070846Für den Fall, dass etwas an unserer „Heizwäsche“ unterwegs kaputt geht oder wir Zusatzwärme brauchen, hatten wir ja noch eine „Familienpackung“ Heizpäckchen dabei, die bei Luftkontakt Wärme erzeugen. Weil unsere Ausrüstung wirklich top und qualitativ hochwertig ist, hatten wir keinen Bedarf, auch nur ein einziges Heizpäckchen aus den Tiefen der Satteltaschen zu kramen. Trotzdem wird dieser Punkt nicht von der Packliste gestrichen, denn „sicher ist sicher“!

p1070711Die kleinen, benzinbefeuerten Taschenöfen haben wir ganz von der Packliste gestrichen – und das auch schon vor der Abreise. Das Vertrauen in die Qualität von www.heizteufel.de Produkten war durch jahrelange Winterfahrten zu groß, als dass wir die Taschenöfen als „doppeltes Sicherheitsnetz“ noch hätten mitschleifen müssen.

Unnötig waren unsere jeweils zweite Daunenjacke und meine Daunenweste. Wir hatten dem „Zwiebelprinzip“ getreu gedacht, dass wir bei großer Kälte einfach noch zur ersten dünnen (Putoline) Daunenjacke eine weitere oder dickere Daunenjacke oder Weste unter die Teletubbies ziehen könnten. Trotz äußerst tiefer Temperaturen war das nicht nötig!

14523088_10153992265388404_9186435957752220173_nDas Zelt haben wir nie aufgebaut, weil es komfortabler war, unseren riesigen Klamottenberg in gemütlichen Hütten aufzutürmen statt damit die kleinen Absiden zu füllen. Es war aber beruhigend, das Zelt dabei zu wissen, denn im Falle einer ernsthaften Panne hätte es uns lebensrettenden Wetterschutz geben können!

Eigene Vorbereitung

13641233_1779691095577485_163061142572249153_o-kopieWer mit einer ähnlichen Reise liebäugelt, sollte der eigenen Sicherheit zuliebe über gute offroad Fahrkenntnisse verfügen. Wie schon im Blogpost „Heimwärts“ beschrieben: „nichts hat uns zu Fall gebracht! Wir haben die komplette Eisreise sturzfrei geschafft – sicherlich aber auch, weil für die täglich wechselnden teils doch etwas anspruchsvolleren Untergründe ein gewisses Fahrkönnen nötig (und vorhanden) war. Ich glaube, jeder von uns hat mehr als 1x pro Tag ein ausbrechendes Hinterrad wieder einfangen müssen, ein sich dumm einfädelndes Vorderrad wieder auf Kurs gebracht oder eine schlingernde Fuhre stabilisiert. Wir sind uns sicher, dass wir dies nur deshalb völlig entspannt und routiniert „nebenbei erledigt“ haben, weil wir beide über eine gewisse Rallye-Erfahrung verfügen. Auch, wenn das viele für ein gefährliches Hobby halten: uns hat es eine sichere, unfallfreie und sturzfreie Fahrt auf Schnee und Eis gebracht!“ Auch Europastraßen sind im hohen Norden Schnee- und Eispisten!

img_1201-kopieSicherlich gibt es noch mehr, was Euch interessiert und wozu wir unsere Erfahrungen sehr gerne mit Euch teilen möchten. Schreibt uns einfach an! Das Wichtigste ist ja bekanntlich: nicht träumen – machen!

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