Im letzten Winter haben wir täglich die Temperaturen unseres Route verfolgt und dabei gemerkt: es wird ganz schön kalt da! Wer das mit verfolgen will, sollte sich diese Seite merken: Väder Alarm. Dort findet Ihr die täglich aktualisierten Tiefsttemperaturen aus Schweden.  Bei der Planung rechnen wir also mit Temperaturen von tagsüber bis -30°C und nachts wesentlich kälter. Wir hoffen natürlich, dass es wärmer wird, sind aber auf Extremtemperaturen vorbereitet. Natürlich waren wir beide solchen Temperaturen noch nicht ausgesetzt und sind gespannt, was uns erwartet!

Sp1070013ilke hat in der Mongolei bei Eiswind und -20°C schon erlebt, wie schnell man sich das Gesicht vereist und wie laut eine Klimamembrane rascheln kann. Die tiefste Temperatur auf dem Motorrad waren etwa -15°C bei der Heimreise vom Elefantentreffen in Solla im Bayerischen Wald vor über 10 Jahren.

Jan als Nordlicht überlebt auch im deutschen Winter ohne Daunenmantel und hat mit dem Motorrad im Winter Norwegens schon Kälteerfahrung gesammelt. Weil er auch im Winter regelmäßig mit dem Motorrad zur Arbeit fährt, ist ein Teil seiner Ausrüstung auch schon altbewährt.

p1070887-kopieAus Erfahrung wissen wir, dass es viel einfacher ist, mit dem Motorrad auf Eis und Schnee zu fahren, als damit anzuhalten. Die meisten Winterstürze erlebten wir beide, weil beim Anhalten oder Rangieren die Füße rutschten oder wir schon beim Weg zum Motorrad mit Gepäck in der Hand auf der Nase lagen. Bei „die moderne Hausfrau“ entdeckten wir Schuh-Spikes, die perfekt unter die Cross-Stiefel passen und uns damit auch Grip auf zwei Beinen statt nur auf zwei Rädern bieten!

p1070884-kopieUm die Füße nicht nur im Schuh warm zu halten, sondern auch gleich von außen vor Nässe und Kälte zu isolieren, werden die Stiefel in Neopren Überschuhe eingepackt. Silkes sind die Uvex Warm-Up Neopren Überschuhe. Leider sind die nicht für den Dauereinsatz konzipiert, sodass eine Materialverstärkung am Schalthebel fehlt. Mal sehen, wie lange das dicke Neopren dort hält! Weil die Überschuhe ein 5€ eBay-Schnäppchen sind, wäre ein Loch kein Desaster – es gäbe nur kältere Füße…

Die Füße selbst stecken in Yakwollsocken, die Silke in den letzten Jahren immer wieder aus der Mongolei mitgebracht hat. Natürlich Fair Trade von Mary&Martha Mongolia 

kw4516_mo_34_daWir ziehen uns beide in gefühlt unzähligen Schichten an, die alle unter unsere Thermokombis passen. Das Hauptaugenmerk lag dabei nicht nur auf Wärme bei geringem Gewicht, sondern auch auf Alltagstauglichkeit, um auch ohne Motorrad etwas zum Anziehen zu haben, das nicht ins Gepäck muss und so zu unnötigen Gepäckbergen führt. Ein Beispiel sind unsere Daunenjacken und die außergewöhnlich weiche Skihose von ALDI Süd. Diese macht im Winterkombi schön warm, ist aber auch eine bequeme, voll alltagstaugliche Hose, wenn es ohne Motorrad nach draußen geht. Und die sieht gar nicht nach Skihütte aus, oder? So sollten die meisten Bekleidungsschichten nicht nur während der Fahrt eine Funktion haben, sodass wir mit sehr wenig Reisegepäck auskommen.

14794086_10154025547773404_599455389_nWir fahren beide sonst hauptsächlich mit Crosshelmen, Silke besitzt noch einen Integralhelm für Mistwetter, aber keiner unserer Helme war für ein Heizvisier vorbereitet oder extrem wintertauglich.  Es gibt zwar sehr viele Helme mit Heizvisier, jedoch nicht auf dem deutschen Markt, sondern nur da, wo man auch Schneemobil fährt. Also in den USA, Kanada oder Skandinavien. Wer in Deutschland ein Heizvisier braucht, weil es auch in Deutschland Minusgrade gibt, bastelt sich das entweder selbst oder kauft bei www.heizvisier.de einen Helm der Firma Sol, die mit Heizvisier, aber ohne ECE Prüfnorm geliefert werden. Wer die europäische Prüfnorm für wichtig hält, kann einen HJC Helm kaufen und von den Machern des A4 Motorrad-Winterkombis das passende Heizvisier bestellen. Oder man besorgt sich einen Nolan N104 Helm und kauft das passende Heizvisier dazu. Als eingefleischte Enduristen sind wir beide noch nie mit Klapphelm Motorrad gefahren, aber was tut man nicht alles für eisfreie Sicht? Wir fahren nun beide einen Nolan N104 Evo Klapphelm und dazu das passende Heizvisier von Louis.

Silkeeingemummelt

Eigentlich hat man es als zierliche Frau unter 1,70m schwer, richtig passende Motorradbekleidung zu finden, die nicht nur an Sozias dekorativ aussieht, sondern auch wirklich was kann! Im Falle von Winterbekleidung ist das allerdings nur von Vorteil, denn wenn die „Außenhülle“ zu groß ist, passt viel drunter!

prasentation1Silke nennt ihren Winteranzug „Teletubby“, weil sie darin auch so aussieht, wie Tinky-Winky. Der „Teletubby“ ist geschätzte 16 Jahre alt, war damals von Hein Gericke und ist immer noch top in Schuss! Leider ist ein Anzug in solch toller Qualität schon seit über 10 Jahren nicht mehr auf dem Markt, aber die Macher von art-for-function haben mit dem „Nordkap“ Anzug eine gute Alternative im Programm. Silkes Teletubby ist komplett wasserdicht, hat winddicht abschließende Bündchen an den Armen, Schneefang- Innenfutter an den Beinen, einen wasserdichten Wärmekragen bis über die Nase und ist mit Wattierung und Teddyfutter kuschelwarm gefüttert. Seine Protektoren an Knien, Hüfte, Schultern, Ellenbogen und Rücken machen ihn auch noch sicher.

indexSilke hat sich 2001 in Chile eine lange Unterhose aus 300er Fleece maßschneidern lassen, um damit im Winter auf dem Motorrad wärmer angezogen zu sein. Diese Hose existiert (und passt!) heute immer noch und wird die Reise ans Nordkap antreten. Wird es kälter an den Beinen (wovon Frostbeule Silke jetzt schon ausgeht), kommt die bereits erwähnte ALDI Skihose zum Einsatz. Dick gefüttert wärmt sie zusätzlich. Gegen kalte Knie helfen Kniewärmer aus sehr dicker Wolle. Die Wattierung des Teletubbys und der Skihose drück sich bei angewinkelten Knien zusammen und verliert an Isolierkraft. Das dicke Fell der Kniewärmer jedoch nicht.

dsc02375-kopieNach 4 Reisen in die Mongolei weiß Silke nicht nur, wie kalt es dort werden kann, sondern auch, was die Mongolen dagegen tun. Sie schwören auf Yakwolle und Naturfelle – und das tut Silke nun auch und steckt ihre Füße auf dem kalten Weg gen Norden in die wärmsten Socken, die sie je hatte: Yakwollsocken, Fair Trade von Mary & Martha aus der Mongolei! Wer Yakwolle an den Füßen kennt, der weiß, dass sich unsere Schurwolle ganz weit hinten anstellen kann…

p1070884-kopieSilke möchte auch im Winter nicht auf die Sicherheit eines exzellenten MX Stiefels verzichten und hat sich daher für ihre Alpinestar Tech8 Stiefel entschieden. Damit sie nicht nur von außen durch die Neoprenhülle warme Füße hat, war etwas Basteln nötig. Der Tech 8 ist mit einem Innenschuh ausgestattet, der zwar die Sicherheit erhöht, das Einfügen von Einlegesohlen aber erschwert. Mit etwas Frickelei sitzen nun echte Lammfellsohlen im Stiefel, in die Silke die Heizelemente der Therm-ic Heizsohle eingebaut hat.

Internetrecherche ergab, dass die Akkus von Silkes langjährig bewährten Skischuh-Heizsohlen zu schwach sind für die Nordkapptour. Auch die mit den über eBay Kleinanzeigen von Privat gekauften Heizsohlen gelieferten Akkus waren zu schwach, um bei den zu erwartenden tiefen Temperaturen lange genug heizen zu können. Gut, dass Therm-ic verschiedene Akkus im Angebot hat, die einfach untereinander ausgetauscht werden können!

thd3mpdw3hSilke hat in ihrer „Karriere“ als Winterfahrerin schon einige Heizhandschuhe verschlissen. Entweder brachen die Lötstellen oder die Heizplatten – oder der Regler sorgte für Brandblasen an den Fingerknöcheln. Vor gut 10 Jahren fand Silke dann endlich die ihrer Meinung nach haltbarsten Heizhandschuhe überhaupt: von der Berliner Manufaktur „Heizteufel„. Weil sich mit den schon betagten aber immer noch perfekt funktionierenden Unterzieh-Heizhandschuhen in Kombination mit den extra warmen Winterhandschuhen aber sämtliche Knöpfe und Schalter am Motorrad so schlecht bedienen lassen, fährt Silke nun mit einem neuen Paar Heizhandschuhe. Heizteufel.de fand unser Projekt interessant und versorgt uns mit mobiler Wärme. Silke behält warme Pfoten mit den Motorrad-Heizhandschuhen über Bordnetz, Jan freut sich über dauerhaft warme Füße dank der beheizten Einlegesohlen.

Den Oberkörper wärmt zunächst ein Thermoshirt von Decathlon, das auf der Innenseite mit einer Art Microfaserfrottee kuschelig warm und weich isoliert und eigentlich für den Radsport gedacht ist. Pet hat auch zwei Räder, dann passt das! Überzeugt hat der eng anliegende Schnitt mit eng anliegendem Kragen. Beides eignet sich hervorragend als erste Bekleidungsschicht, um direkt unter der Heizweste getragen zu werden.

Direkt über dem Thermoshirt wird die Heizweste von Widder getragen, damit die elektrische Wärme nicht durch weitere Bekleidungsschichten muss, um Silke zu wärmen. Das Besondere der Widder Weste im Vergleich zu anderen Heizwesten ist der beheizte Kragen und dass die gesamte Weste von Heizdrähten durchzogen ist, statt nur mit drei Platten an Brust und Rücken für Wärme zu sorgen. Die Weste liegt schön eng an, sodass kein Wärmeverlust entstehen kann.

Über die Heizweste kommt dann eine Fleecejacke aus windstopper Stretchfleece, die auch bei Abendessen und Frühstück in der „Zivilisation“ gute Dienste leisten wird. Auch dieses Bekleidungsteil stammt von Decathlon, ist aber nicht neu, sondern hat sich schon auf einigen Reisen der letzten 2 Jahre als tolle winddichte Jacke mit Kuschelfaktor erwiesen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWeil Platz im viel zu großen Teletubby – Anzug ist, trägt Silke einfach noch eine kleine Daunenjacke, mit der sie schon seit 2009 durch die Weltgeschichte reist. Das Bild zeigt die Jacke 2010 bei einem Trekking in den Anden. Wird ihr wider Erwarten zu warm, findet die Jacke dank minimalem Packmaß noch Platz im Gepäck. Außerdem hat Silke so eine Jacke, um auch ohne „Teletubby Anzug“ warm eingepackt zu Fuß auf die Straße zu können. Wir haben uns für Daunenbekleidung entschieden, weil diese nicht nur auf dieser Reise dank minimalstem Gewicht und unschlagbar kleinem Packmaß für Wärme sorgen und auch unter „normalen“ Motorradjacken eine „ausgehtaugliche“ Schicht Extrawärme bieten. Kunstfaser isoliert leider nicht so gut wie Daune, hat ein größeres Packmaß, mehr Gewicht und hat nur den einen Vorteil, auch bei Nässe noch zu wärmen. Die Reiseerfahrungen der letzten 7 Jahre mit Daunenjacke im Gepäck haben Silke aber gezeigt: es ist möglich, eine Daunenjacke auf Reisen vor Feuchtigkeit zu schützen! 🙂

Falls es noch viel, viel kälter wird, findet unter der Daunenjacke auch noch eine Daunenweste Platz im Teletubby. Oder die zweite dünne Daunenjacke, die uns von Putoline zur Verfügung gestellt wurde. Und wenn Silke die Weste oder Jacke nicht trägt, verschwindet die Extraportion Wärme mit minimalem Packmaß im Gepäck. Weste und zweite Daunenjacke sind außerdem praktische „Wärme-Upgrades“ für Situationen, in denen der Teletubby nicht zum Einsatz kommt, beispielsweise beim Stadtrundgang oder dem „kurzen Weg um die Ecke“ der Unterkunft.

Den Kopf wärmt eine Sturmhaube, die bis zum Hinterkopf und Kinn winddicht ist, sodass der warme Heizkragen der Heizweste nicht den Fahrtwind, sondern Silkes Hals erwärmt.

protektor2011Weil der Teletubby mit sperrigem Rückenprotektor nur schwer an- und auszuziehen ist, hat sich Silke entschieden, mit separatem Rückenprotektor zu fahren. Die herkömmlichen Rückenprotektoren gehen von Männern mit einer Körpergröße über 1,70m aus, was für Silke nicht in Frage kommt, da ihr Rücken kürzer ist und somit der Protektor von Sitzbank bis Helmunterkante anstößt und die Bewegungsfreiheit extrem einschränkt. Im Reitsport sind Rückenprotektoren aber auch weit verbreitet und weil mehr Frauen reiten als Motorrad fahren, gibt es solche „Schildkröten“ im Reitzubehör z.B. von Tecilla auch für Damen in perfekter Passform! Pet ist zwar kein Pferd, aber in gewisser Weise reitet Silke ja auch dem Nordkap entgegen…

Jan

123465Auch Jan besitzt schon seit vielen Winterkilometern einen „Teletubby“, allerdings in schwarz. Sein Teletubby ist nicht von Hein Gericke, sondern von Thermoboy und ist auch dort immer noch im Programm. Auch sein Winteranzug ist komplett mit allen Protektoren ausgestattet und schön warm und wasserdicht gefüttert.

Als erste Bekleidungsschicht trägt Jan Funktionsunterwäsche von Louis, die besonders warm, weich und kuschelig ist und einen eng anliegenden Kragen hat, der unter den folgenden Bekleidungsschichten weder aufträgt noch stört.

Jan hat sich aus den USA eine akkubetriebene Heizweste gekauft, die einen guten Eindruck macht und sogar eine Fernbedienung hat, um ohne umständliches Ausziehen die Temperatur vom Lenker aus regeln zu können. Der Vorteil einer akkubetriebenen Weste ist der, dass sie natürlich auch ohne die Motorradelektrik schön warm macht, zum Beispiel beim nächsten Motorradtreffen, winterlichen Lagerfeuer und anderen Outdoor-Aktivitäten bei Winterkälte. Silke hatte eine ähnliche Akku-Heizweste bestellt, diese war aber auch in kleinster Größe zu groß.

Bei großer Kälte trägt auch Jan eine Daunenjacke unter dem Teletubby. Wie Silke verfolgt auch Jan die „Zwiebel-Strategie“: wird es trotz erster Daunenjacke zu kalt, kommt einfach eine dünnere zweite dazu, denn auch Jan ist von Putoline mit einer reisetauglichen Daunenjacke ausgestattet worden! Auch bei den Beinen trägt Jan das Zwiebelprinzip: ist es zu kalt, kommt die erwähnte ALDI Skihose noch unter seinen Teletubby, um eine weitere Isolationsschicht zu haben.

Natürlich ist auch Jan mit Yakwollsocken aus der Mongolei bestens versorgt, den wärmsten Socken, die er jemals an den Füßen hatte! Dazu wärmen elektrische Heizsohlen die Füße über Bordnetz, sodass Jan bestimmt keine Frostbeulen an den Füßen bekommt. Die Sohlen samt Zubehör wurden Jan von Heizteufel.de zur Verfügung gestellt. 

Weil bei eisigen  Straßenverhältnissen der eine oder andere „Ausrutscher“ sicher inklusive sein wird, möchte auch Jan nicht ohne seine Motocross-Stiefel fahren. Wir können beide Motorradreisende in Trekkingstiefeln nicht verstehen, denn erfahrungsgemäß wird weniger gewandert, als Motorrad gefahren und die eigene Sicherheit geht immer vor! Jan hat mit den Alpinestar Tech 3 Stiefeln gute Erfahrungen gemacht und nutzt auch die Neopren Überstiefel von Uvex.

Auch Jan trägt natürlich eine Sturmhaube gegen den Eiswind, die zuverlässig dafür sorgt, dass es ihm nicht unter den Helm zieht. Seine Sturmhaube Scott Face Heater kommt aus dem Snowmobile Bereich und ist mit viel Neopren ausgestattet.

 

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